Kurzgeschichten
Er spürt einen Schreibtrieb oder Schreibimpuls, der ihn unablässig plagt, ihn oft nervös und apathisch stimmt, und ihn zum Ausgleich dafür immer wieder mit den schönsten Größenphantasien versorgt.
-unbekannt
Life's no fun without a good scare
Ich tippte auf den „An“-Knopf.
„Hallo Leute, heute gibt es besonders viel zu lachen, und damit sage ich herzlich willkommen zu unserem diesjährigen …“ Der Radiomoderator machte eine theatralische Pause. „Halloweenspecial.“ Der mystische Ton wurde von einem Lachen abgelöst, in dem er seine ach so witzige Einleitung feierte...
Theater
„Ich will das schon so lange.“ Juli zupfte an der Haut ihrer Nägel herum und sah zu Boden. Ich hatte nicht mit gezählt, doch es mussten an die hundert Male gewesen sein, dass wir an diesem Punkt waren.
„Und weil du es so sehr willst, wirst du da herausgehen und sie überzeugen.“
Juli wollte es jeden Morgen aufs Neue. Es war der immer selbe Ablauf...
Der Sommer war sehr groß
Der Sommer war sehr groß.
Er war einer dieser Sommer, in denen die Wolken schneller ziehen, die Sonne nie untergeht, die Umarmungen fester sind und die Lieder nach Zigarettenrauch und Luftschlössern klingen. In so einem Sommer fand ich dich...
Es ist immer Geld
Ich bin traurig. Nein. Ich bin frustriert. Weil es immer dasselbe ist. Als ich noch klein war hatte ich eine gute Begegnung damit und sie verfolgt mich hoffungsvoll bis heute. Wohl eher naiv, nach diesem Aufwand, den ich betrieben habe und jetzt doch wieder trotzig und wimmernd mit meinem Kinn am Boden liege...
Vergangener Hunger mit Zukuknft
Eine Geschichte über die Papiermark.
„Wo hast du das alles her?“
Meine Hände wühlen in dem Haufen zusammengeknoteter Bündel herum, die auf dem Bürgersteig vor mir liegen. Ich hatte Frieda gesucht, sie hatte mich übersehen, und so rieb sie sich nun den Kopf und ich hielt meinen vor Staunen.
„Na, sag schon.“
„Das Kaufhaus. Irgendetwas ist passiert. Jedenfalls lagen sie da im Hof überall rum, als hätte der Wind sie dorthin getragen.“ ...
Glaub daran
„Ich werde dir beweisen, dass es sie gibt.“
Heidi stürmte aus der Hütte, hinaus auf die Wiese. Die Schürze milchnass, die Stiefel schleifenlos. Die Rufe ihres Großvaters blieben aus. Kein Wort, dem sie sich hätte widersetzen können, nichts, woran sie die Wut über diese Ungerechtigkeit hätte auslassen können. Nur das Grün unter ihren Sohlen, dem sie einen Tritt verpasste. Heidi lief bis zum Hang und schrie den Bergen entgegen. Sie schrien dreifach zurück. Wenigstens der Fels antwortete...