Es ist immer Geld

Ich bin traurig. Nein. Ich bin frustriert. Weil es immer dasselbe ist. Als ich noch klein war hatte ich eine gute Begegnung damit und sie verfolgt mich hoffungsvoll bis heute. Wohl eher naiv, nach diesem Aufwand, den ich betrieben habe und jetzt doch wieder trotzig und wimmernd mit meinem Kinn am Boden liege. 
Ihr wärt genauso enttäuscht wie ich. Ihr würdet es verstehen. Deshalb will ich es euch erzählen.

Mein Herrchen hat mich mit hierhin gebracht und ich meine zu erschnüffeln, dass er diesen Raum bald verlassen wird und mich mit der nach Zerfall riechenden Person alleine lässt. Lang hat sie es nicht mehr. Und deshalb schläft sie so oft. Aber um mich bei ihr abzustellen, wenn meine große Liebe irgendwas tut, bei dem ich nicht dabei sein kann, dafür reicht es wohl.
Dass sie gleich laut grunzend in ihrem Sessel sitzen wird, kommt mir grade recht. Sehr recht. 
Denn ich habe es schon gesehen. Das, was jeder will. 

Ein Kuss und er ist fort. 
Ich werde getätschelt, bekomme Wasser hingestellt und tue so, als würde ich es brauchen. Dabei brauche ich nur eins. Ihren komatösen Schlaf. 
Und das da. Dort oben auf dem Schrank. In der Küche. Die glänzende Dose der Hoffnung, mein gefundenes Fressen, die mit den buttrigen Leckereien drin, die mir einen vollen Magen und ein zufriedenes Schläfchen verschafft. Oh, ich kann es kaum erwarten.
Ich muss da jetzt nur noch dran kommen.
Zuerst spitze ich die Ohren. Eine Fernbedienung fällt zu Boden. Darauf das erste Schmatzen. Das faltige Wesen schläft.
Jetzt bloß nicht zu viel Lärm machen. 
Ein paarmal gehüpft, bin zu klein. Ein paar Atemzüge, ich rieche es. Das krümelige Gebäck. Der Geruch ist schwach, aber entfacht Kräfte in mir. 
Ich schupse einen Stuhl, er kippt. Meine Schnauze ist schneller. Gerade nochmal gut gegangen. Langsam stoße ich ihn in Richtung Schrank und fühle mich wie der schlauste Vierbeiner, von dessen großer Tat niemals jemand erfahren wird. Stück für Stück rücke ich heran, bis ich nicht mehr weiter komme. 
Von meiner Zunge tropft es zu Boden, ich kann mich kaum halten, springe herauf, stelle mich auf die Hinterbeine, mir ist alles egal, ich hebe die Pfote, stoße die Dose herunter, sie schießt zu Boden, ich gleicht mit, sie springt auf und ich…
Schrecke angewidert zurück. Das stinkt. Das was da drinnen steckt. Mit meinen Krallen scharre ich danach. Es rutscht heraus. Und die Enttäuschung gräbt sich knurrend in meinen unbefriedigten Magen. Diese scheiß Dose. Sie hat mich schon wieder reingelegt.
In diesen Dosen sind nie die Köstlichkeiten drin, die sie versprechen, oder irgendwas, mit dem man was anfangen könnte.
Nein.
Es ist immer Geld. 

 

 

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