Life's no fun without a good scare

Ich tippte auf den „An“-Knopf.
„Hallo Leute, heute gibt es besonders viel zu lachen, und damit sage ich herzlich willkommen zu unserem diesjährigen …“ Der Radiomoderator machte eine theatralische Pause. „Halloweenspecial.“ Der mystische Ton wurde von einem Lachen abgelöst, in dem er seine ach so witzige Einleitung feierte. 
So früh am Morgen war Humor jeglicher Art, ob gut oder schlecht, für mich wie ein kalter Toilettensitz in der Nacht. Doch Stille hasste ich noch mehr. 
Zusätzliche brüllte die Kaffeemaschine nach Bohnen. Ich griff mir an die Stirn. Wie sollte ich diesen Tag bloß hinter mich bringen, wenn der Beginn mich schon derart folterte. 
„Buh.“ Die Tür wurde aufgerissen und Nora hechtete herein. 
„Wir haben keinen Kaffee mehr“, sagte ich und nahm mir einen Energydrink aus dem Kühlschrank. 
„Ich werde den Tag als meinen größten Erfolg betrachten, an dem ich die unerschütterliche Charlie zum Zusammenzucken bringen werde."
„Es reicht einen Angsthasen im Haus zu haben.“ 
Während Gesprächen, die zum Einschlafen langweilig waren, erzählte ich gerne die Anekdote über Noras unterentwickelten Überlebensinstinkt. Über mein Versteckspiel im dunklen Bad und wie sie mir kreischend und vor Schreck entgegengelaufen war. „Nicht jeder kann sich leisten, dem Mörder direkt in die Arme zu rennen.“, sagte ich und drehte mich der Küchenzeile zu.
Nora legte ihre Arme von hinten um meinen Bauch, doch ich konnte ihre bettwarme Umarmung nicht genießen. 
„Dir auch einen guten Morgen, Baby, und happy Halloween.“ 
„Ist das nicht erst heute Abend?“, fragte ich und drehte mich weg, bevor sie mir einen Kuss auf die Wange geben konnte. Schon seit einigen Monaten waren wir nicht mehr das Paar von damals, dass sich gegenseitig in schattigen Ecken auflauerte und zum Lachen brachte. Zumindest mir war der Spaß daran vergangen. Wir hatten uns auf einer Medienmesse kennen gelernt. Sie war Content Creator für eine große Firma. Damals fand ich ihr Talent faszinierend. Mittlerweile rutschte ihr Können dank KI, wie unsere Beziehung in eine Sparte, die alles zunichtemachte: Unechtheit.
Bevor sie mir antworten konnte, drehte ich das Radio lauter. Ich mochte das Lied überhaupt nicht, doch meine Überreizung an diesem Morgen wollte gefordert werden. 
„Ich geh mal unter die Dusche“, sagte Nora. Ich sah sie nicht an, doch ich hörte in ihrer Stimme, dass sie aufgegeben hatte. Mich, uns. Vielleicht nur diesen Morgen. Wie lange das wohl noch so gehen würde? 
Das Lied ging zu Ende und wieder begann der Radiosprecher mit seiner übereuphorischen Art, das Programm anzukurbeln. „Die gruseligsten Halloweengeschichten, die euch je widerfahren sind“, wollte er von seinen Zuhörern wissen. „Bringt mich zum schaudern, jetzt ist Gänsehautzeit.“
So, so. Davon hatte ich so einige im Regal, doch gegruselt hatte ich mich nie. Ich weiß selbst nicht wieso, doch aus der Ruhe bringen konnte mich nur das elende Hamsterrad des Alltags.
Ein Anrufer erzählte von seinen drei Katzen, die alle, genau an Halloween zur Geisterstunde in dieselbe Ecke an der Decke geschaut hatten und eine halbe Stunde nicht mehr damit aufhörten. Doch so richtig beeindruckt schien der Moderator nicht zu sein. Er nahm den nächsten Hörer dran.  
„Hallo, wer ist denn da und was ist deine gruseligste Halloweengeschichte?“ 
Eine Frauenstimme erklang.
„Hi, meine Geschichte widerfuhr mir und meiner Freundin vor sieben Jahren.“ Grade als ich das Radio ausschalten und mich zur Arbeit aufmachen wollte, hielt mein Finger vor dem Aus Knopf inne. „Auf einem Supermarktparkplatz. Wir hatten ein Date mit Freddy Kruger geplant und wollten uns mit Snacks eindecken.“ Die Stimme kam mir merkwürdig bekannt und zugleich fremd vor. Wie die Stimme eines Synchronsprechers, den man nicht seinen anderen Rollen zuzuordnen wusste.
„Popcorn darf nicht fehlen“, sagte der Radiosprecher freudig.
„Meine Freundin ist ein furchtbarer Angsthase und sagt, die lauten Geräusche von Chips würden sie nicht zu sehr in den Film abdriften lassen.“ 
Da kannte ich noch jemanden, dachte ich mir und hörte wie die Dusche im Badezimmer anging. 
Der Moderator drängte darauf, fortzufahren. 
„Nun, wir parkten, kauften ein und als wir wieder auf den Parkplatz hinaus gingen, standen alle Türen unseres Autos offen.“ 
Der Sprecher schnappte hörbar nach Luft. Und durch meinen Magen fuhr ein Zittern. Ich lehnte mich näher ans Radio heran, als könnte ich den Anruferin so dazu bringen, schneller zu erzählen. Ich drehte noch etwas lauter, denn das was ich hörte, kam mir bekannt vor. 
„Einbrecher?“, fragte er hoffnungsvoll. 
„Nein, es war nichts durchwühlt, nichts gestohlen, obwohl ich mein Portemonnaie im Auto vergessen hatte.“
Ich hatte mein Geld damals auch im Handschuhfach liegen lassen und alle Scheine waren noch da. Ob es einen Massentäter gab? 
Ich schnaubte kurz und richtete mich auf. Lachte über meine eigenen Gedanken. Massenmörder, Massentäter, was ein Unsinn. Ich verließ kopfschüttelnd den Raum, um mir meine Schuhe anzuziehen. 
„Was wollen wir eigentlich heute Abend machen?“ Nora rubbelte sich mit einem Handtuch durchs Haar, als sie den Flur betrat. 
„Ich weiß noch nicht wann ich zuhause bin. Gucken wir dann, ja?“, fragte ich. 
„In Ordnung, muss auch noch ein Reel schneiden. Vielleicht gehen wir in die Burg? Da waren wir lange nicht mehr. Oh, du hast das Radio in der Küche angelassen.“ Sie marschierte in die Küche.
Ich nahm mir ein Zopfgummi aus dem Bad und band mir die Haare zusammen. 
„Oh, hey, bevor du auflegst: du hast uns gar nicht deinen Namen verraten.“
Der Radiosprecher dröhnte von der Küche her. Mir fiel auf, dass es ungewöhnlich lange dauerte, bis die Frauenstimme antwortete: „Charlie.“

 „Was für einen Film haben wir damals an Halloween gesehen?“ Nora sah mich irritiert an, nachdem sie mich stocksteif stehend im Flur aufgefunden hatte. 
Eine bescheuerte Frage. Wer sollte das schon beantworten.
„Du…“, stammelte sie mit ungläubiger Miene. „… bist ganz blass. Sag mal, ist dir schlecht? Schlaganfall oder sowas?“
Ich hatte wirklich das Gefühl mich übergeben zu müssen. Vielleicht war es das Ei, welches nicht ganz auf den Boden gesunken war beim Haltbarkeitstest. Vielleicht aber auch, dass ich jetzt wusste, zu wem die bekannte Stimme im Radio gehörte. 
Mir. 
Mit einer Erzählung, die ich erlebt hatte, mit Tatsachen und Informationen, die nur ich wissen konnte. 
„Und du…“, sagte ich in mich hinein. Dann ging ich auf Nora zu und nahm sie bei den Schultern. „Sag mal bitte schnell. Du erinnerst dich doch immer an alles. Vor sieben Jahren, als ich krank war, weshalb wir nicht ausgegangen sind.“ 
Ein Funken Hoffnung auf Logikfehler blieben aus. Wenn es ein anderer Film war dann…
„Puuh. Weiß nicht mehr. Glaube der mit den Träumen, da…Naja…“
Noras Gesicht verschwamm vor meinen Augen. 
Nightmare on Elmstreet.“ Ich ließ sie los.
„Genau!“, sagte sie. „Was ist? Was soll diese Frage.“ Sie beugte sich vor und verschränkte die Arme. „Charlie.“
Das Radio war aus. Nichts war mehr zu hören. Vielleicht bildete ich mir nur was ein. Ich konnte es nicht beweisen, ich hatte keine Aufnahmen dieses Anrufs, das war vielleicht einfach ... Es war nicht real. Und Ende. 
„Den sollten wir nochmal gucken, den Film. Mein ich.“ Ich schluckte. Und ging. Einfach so. 

Ich musste wie eine ausgestopfte Hülle von mir an meinem Schreibtisch gesessen haben. Kiffen tat mir nicht gut, das stand fest. Kein guter Schlaf fürs Hirn. 
Ich überhörte das Klopfen an meiner Bürotür. 
„Die neue Ausgabe, Charlie.“ Franzi schmiss mir eine Zeitung auf die Tastatur. „Guten Middach. Du siehst beschissen aus. Dein Kaffee wird kalt.“
Sie drehte sich um und ging, mit ihren perfekt passenden Hosen, wieder aus dem Raum.
Mittag? Wie lange hatte ich hier so gesessen? 
Da ich eh an diesem Tag wohl nichts mehr geschissen bekommen hätte, blätterte ich ein wenig durch das Klatschblatt, für das ich schrieb. Mit der anderen Hand trank ich einen Schluck Kaffee. Kalt. 
Ich schlug über Seiten mit herbstlichen Gefühlen, Zimtrezepten und Harry Potter. Den Artikel über Heidis neuestem Halloweenspaß, hatte ich geschrieben. Ermüdend. 
Über die Zeitung hinaus, vergaß ich völlig, worüber ich mir vor einigen Seiten noch den Kopf zerbrochen hatte. 
Grade als ich meinen Zopf öffnete und mir durch meine Haare fuhr, kam die Seitennummer 23.


Ich war früher nachhause gefahren. Eigentlich 7 Stunden und 50 min - oder mehr - zu früh. 
„Sag mir, dass das nicht echt ist. Das ist das jetzt grade nicht wirklich sehe.“
Nora drehte die Zeitung zu sich herum und las. Las meiner Meinung nach viel zu lang. 
„Na gut“, sagte sie. Mein Herz sprang wie wild. „Hast du KI benutzt? Hört sich nämlich schwer danach an.“
„Nora! Das ist nicht von mir.“
„Ach komm.“ Sie ließ von der Zeitung ab. „Da steht dein Name drüber.“
„Ich schwöre dir, ich hab das nicht geschrieben. Dabei ist das eine Geschichte die mir passiert ist. Und ich habe nie mit jemandem darüber gesprochen.“ 
„Was?“ Sie legte mitleidig den Kopf schief. „Warum behältst du sowas auch für dich? Das mit den Schaufensterpuppen muss echt hart gewesen sein.“ Nora berührte meine Wange. Ich schlug ihre Hand weg. Und winkte ab. 
„Warte mal. Hast du etwa Schiss?“ Sie sah amüsiert aus.
„Nein! Ach egal. Das alles ist nur verdammt … merkwürdig, man.“
Dann war ich gegangen. 
Ich kam mir dämlich vor. Erst der Anruf im Radio und jetzt machte ich mich hiermit lächerlich. Was passierte da gerade? Ich war gezwungen, so einen Mist zu reden - überhaupt zu denken.
Ich wollte abschalten. Mein Kopf war voll. 

Da rieselten auch schon kleine Flocken Grünes auf ein hauchdünnes Blättchen. Ich rollte das Ding zusammen und zündete es an, nahm einen tiefen Atemzug Haze. Ich war früh eingeschlafen und hatte es gerade noch so ins Bett geschafft. Ich wachte von Geräuschen im Flur auf. Sah das ungleichmäßig scheinende Licht einer Taschenlampe vor dem Türschlitz herumeiern. Der Einbrecher hantierte im Flur herum. Gut, dass Nora ausgegangen war. Sie hätte das ganze Haus zusammen geschrien. An Halloween, dachten die wohl, jedes Haus stünde am Abend leer. Aber nicht das von erschöpften Gemütern, die keinen Kontakt zur Außenwelt pflegten. 
Ich wählte den Notruf. „Bleiben sie wo sie sind“, sagte eine Stimme und ich öffnete langsam die Schlafzimmertür. 
Die dunkle Gestalt war gerade auf dem Weg in die Küche. Es war wie damals. In meinem Elternhaus. Spuren an der Tür erinnern bis heute an den Tag, nachdem meine Mutter Monate gebraucht hatte, sich in ihren vier Wänden wieder Zuhause zu fühlen. Wirklich überaus passend. So an Halloween. Ich wartete. Und freute mich schon, diesem Idioten von Kriminellem zu zeigen, dass er ein miserabler war. Keine zwei Minuten vergingen und die Polizei war da.
„Diese Person behauptet hier zu wohnen. Können sie das bestätigen?“ Eine Polizistin zog Nora in Handschellen vor meine Augen.
„Ach, alles okay. An Halloween passiert das andauern“, sagte die Polizei, als sie Nora frei gaben und das Haus verließen. 
„Du wirst irre. Kiff mal weniger.“ Nora zog den Rock ihres Kostüms aus.
„Ich schwöre dir, das warst du nicht. Er hatte kein Elfenkostüm an, das hätte ich ja wohl bemerkt.“ 
Nora sagte nicht gute Nacht, als sie ins Bett ging. Vielleicht hatte ich ja doch langsam eine Psychose oder sowas. 
Ich ging noch einmal in die Küche, um dort das Licht auszumachen. Und erblickte einen Zettel neben der Kaffeemaschine. 
Wer hat eigentlich im Sommer ´20 mit deiner Oma getanzt?
Diesmal ließ es mich kalt. Ich zerknüddelte den Zettel in meiner Faust. Ich weiß nicht, wer Sommer ´20 mitten in der Nacht auf der Terrasse mit meiner Großmutter einen langsamen Walzer getanzt hatte. Jedenfalls hatte sie ihren Kopf auf einer unsichtbaren Schulter abgelegt. Vielleicht war mir die Story in den letzten paar Jahren einmal herausgerutscht.
Bei Nora. 
Ich musste sie im Auge behalten.

Halloween war vorbei. Und der ganze Spuk mit ihm. Es war ein neuer Morgen, sogar die Sonne schien. Ein goldener Herbsttag. 
Ich schnappte mir meine Jacke. Nora schlief noch tief und fest und ich verließ die Wohnung. Raus auf die Straße, rein ins Geschehen. Um mich wieder etwas normaler zu fühlen. Ich setzte mich an den Tresen eines Cafés. Als hätte ich nicht schon einen Koffeinschock zu viel an diesem Morgen erlitten, bestellte ich einen weiteren. Die Leute sprachen fröhlich miteinander, jemand kratzte auf seinem Teller, es roch fantastisch, und eigentlich war mir das alles zu viel. 
Gesprächsschnipsel filterten sich an mein müdes Hirn. Das Kind einer verdammt jungen Mutter zahnte schrecklich laut. In Portugal waren die Airnbnb Preise unfassbar günstig. Ugh. Langweilig. Gab es nicht irgendwelche Beziehungsprobleme, an denen ich mich ergötzen konnte.
„Das glaube ich dir einfach nicht.“
„Doch wirklich. Die Bibliothek war weg. Einfach so. Ich hatte sie betreten, mich umgesehen, zur Straße geblickt und wieder zurück. Dann war sie weg. Wie abgerissen.“
Mein Kaffee machte einen Abstecher in die falsche Röhre. Ich hustete und dreht mich um. Wer hatte das gesagt? Es war wie direkt an meinem Ohr erklungen. Doch niemand saß neben mir, gar direkt in meinem Rücken. Die Konsistenz der Rückstände in Windeln und viel zu hohe Mietpreise mischten sich in einem unangenehmen Stimmgewusel mit Studiengebühren und Gesichtsbehaarung. Ich wandte mich wieder meinem Croissant zu und jemand lachte verdammt laut in mein Ohr. „Verarsch mich nicht. Niemals, hast du dieses Buch da gekauft. Hier steht, dass sie 1940 geschlossen wurde.“
Scheiße man, das war Franzis Stimme aus dem Büro und meine Geschichte, die ich ihr erzählt habe, als wir neulich zusammen Themen für ihre Kolumne gesucht hatten. Scheiße man. Ich blickte mich um. Und panisch auf den Fernseher der in der Ecke neben der Bar hing. 
„Und vielleicht waren sie einfach kein Einzelfall?“, fragte ein Toupet tragender Moderator hinter seinem Schreibtisch.
„So habe ich es mir auch erklärt, aber dann hörte ich den Anrufer meinen Namen sagen“, sagte ich, neben ihm auf einer gelben Couch sitzend. Die Welt um mich herum hielt an. Jedes Gespräch verstummte. Außer das der zwei im Fernseher. 
„Die folgenden Aufnahmen sollen beweisen, dass sie nicht verrückt sind.“ 
Auf dem Bildschirm hinter mir und dem Mann tauchte ein Video auf. Darauf waren Menschen zu sehen, an Tischen, auf Stühlen. Ein Café. Ein Tresen. Meine Jacke. Mein Rücken. Ich, wie ich auf den Fernseher starre. Das Bild wird schwarz. Und mit ihm, meine Wahrnehmung.

„Franzi? Können wir uns sehen?“ Das Handy zitterte an meinem Ohr, nachdem ich raus gestürmt war. 
„Wir sind doch eh verabredet? Jetzt bin ich beleidigt, hast du‘s vergessen? Wollten uns im Verlag treffen.“
Ich legte auf und rannte los. Zum Gebäude mit der Nummer 23. Erschreckte mich auf dem Weg vor einem bellenden Hund und einem Blatt, welches von einer Straßenrandesche zu Boden sank. Nahm die Treppe, statt des Fahrstuhls. Die Tür zum Büro stand offen. Ich trat ein. 
Franzi war da. 
Liegend. Auf dem Boden. Bäuchlings. Ich musste zu ihr gerannt sein, denn das nächste was ich wahrnahm war, wie ich vor ihr hockte und auf ihren Brustkorb einschlug. Franzi riss die Augen weit auf und … begann zu lachen.
„Charlie, ist ja gut. Mein Gott. Das war nur ein Scherz.“ Hustend setzte sie sich auf. 
Ich hielt mein Herz. Meine Schläfen knallten gegen meinen Schädel. 
„Wieso tust du das, verdammt!“ Ich sprang auf. 
„Hattest du etwa Angst?“
„Ja man, weißt du wie viel Scheiße grade bei mir passiert? Alter, an jedem anderen Tag, aber nicht heute!“
„Surprise, motherfucker!“ Noras Stimme löste meine ab. Sie stand hinter mir, hob einen kleinen Kalender in die Höhe und malte ein rotes X über den ersten November. „Hab ich dich.“
Ich stammelte ein paar Fragestellungen vor mich her. Und dann begann ich laut zu werden. 
„Ey.“ Franzi hob entschuldigend die Hände. „Das war Noras Idee.“
„Bin richtig stolz auf die Radiosache“, sagte sie und grinste. „KI macht so einiges möglich.“
Mein Rücken knallte gegen die Wand und ich sank zu Boden. Franzi kam zu mir und legte eine Hand auf meine Schulter, entschuldigte sich und beteuerte, dass sie nicht gewusst hätte, dass es mich so mitnehmen würde. 
„Der Artikel?“, fragte ich und kam kaum zu Atem. Die Maskerade zu begreifen, brachte meinem Puls gerade gar nichts. Sie hatten mich durch die mentale Hölle geschickt. 
„Du hast mir mal davon erzählt, du warst sehr betrunken und konntest dich am anderen Tag an nichts mehr erinnern. Nora meinte, es wäre der perfekte Artikel für einen Schockmoment. Und ich hatte Stoff für meine Kolumne. Bitte sei nicht sauer.“ 
Sie schien ehrlich besorgt. Im Gegensatz zu Nora, die immer noch triumphieren einen Arm in die Seite gestellt hatte. 
„Sei nicht zu gnädig mit ihr. Sie hat es so gewollt.“ Ihr Lächeln schien mir diabolisch. Hasste sie mich so sehr? 
„Okay, du hast deinen Sieg, Nora“, sagte ich und kam langsam zu mir. Eines gönnte ich ihr nicht und ich spürte, dass es mehr mit mir machte, als nur den Schock, den ich erlitten hatte. „Ich hatte dich die ganze Zeit im Verdacht. Und weißt du, was es mir gezeigt hat? Dass das mit uns sowas von kaputt ist!“
Noras Lachen fiel. In ihren Augen brach etwas in Zwei und es tat mir nicht leid, was mir mehr bewies, als jeder Zweifel an unserer Beziehung. „Dein Ehrgeiz ist zu weit gegangen.“
„Charlie, jetzt komm mal runter.“
„Nein!“ Ich hielt eine Hand in Franzis Richtung. „Weißt du wie heftig das ist? Wie krank es einen macht?“
„Sorry, Baby. Ich hätte nicht gedacht, dass es dir so nahe geht. Ich dachte du checkst die Sache schon nach dem Zettel über deine Oma, oder so.“
„Ja, hab ich auch irgendwie.“ Langsam normalisierte sich das Gefühl der Enge in meinem Kopf und die Ehrfurcht vor Noras KI Künsten wuchs. Erleichterung machte sich breit. Erleichterung, dass ich nicht verrückt war. Das alles nur ein mieser Streich war. Ich musste wohl doch keinen Psychiater anrufen. Angst war nur ein Überlebensinstinkt, den ich nie gebraucht hatte. Und ich mir hiermit wieder sicher war, nicht brauchen zu müssen. Ich war wieder die Alte. „Aber überleg du mal, wie witzig du es finden würdest, dich in einer TV Show sitzen zu sehen.“  
Die zwei Frauen sahen sich an.
„Welche Tv Show?“

 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.